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von Stefan Rippler - Donnerstag, 26. November 2020, 16:15
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Die Print-Medien erleben einen Wandel: Vom Massenmarkt zur Nische. Aber was bedeutet das für Verlage? Ein Blick auf mögliche Geschäfts- und Finanzierungsmodelle zeigt, wie der Verlag zukünftig aussehen sollte.

Digitale Medien: Ein Finanzierungsproblem

Die Digitalisierung mischt seit einigen Jahren das Verlagswesen auf. Die Menschen haben sich an digitale, kostenfreie Inhalte gewöhnt und gleichsam ist die Nachfrage an qualitativen Informationen angestiegen. Gründlich recherchierte Artikel kosten aber Zeit und Geld. Mit dem Rückgang der Verkaufszahlen für Printmedien, fallen nicht nur die Einnahmen aus dem Absatzgeschäft weg, auch die zweite Säule des Finanzierungsmodells kommt ins Schwanken: Die Werbeeinnahmen.

Der Lockdown hat den Medienhäusern einen entscheidenden, längst überfälligen Schubser in die digitale Welt gegeben. Auch die Leser nutzen vermehrt die digitalen Angebote der Zeitschriften und zeigen seit Corona deutlich mehr Bereitschaft, für Texte im Internet Geld zu bezahlen. Soweit so gut, wären da nicht die rückläufigen Werbeinvestitionen: Das Minus beläuft sich laut Spitzenverband der deutschen Werbewirtschaft (ZAW) branchenübergreifend auf vierzig Prozent. 

Digitale Geschäftsmodelle

Laut ARD/ZDF-Onlinestudie nutzten 2019 fast 63 Millionen Deutsche das Internet. 71 Prozent nutzten es täglich. Verlage müssen Ideen entwickeln, wie sie ihre Geschäfts- und Finanzierungsmodelle ins Internet transferieren können, um bestehen zu können. 

Es bieten sich folgende Möglichkeiten an:

Online-Werbung

Vorgeschaltete Webseiten, Pop-ups und Werbevideos galten lange Zeit als effektive Einnahmequelle. Doch der Wind hat sich gedreht: Immer mehr Leser empfinden die aufspringenden Fenster und bunten Bildchen an den Seiten des Bildschirms als lästig. Resultierend greifen viele zu Werbe-Blockern. Werbung, die relevant ist und Nutzwert stiftet, gewinnt an Bedeutung: 

Native Advertising ist Werbung  im gewohnten Umfeld – sie wird dem Kontext der Seite angepasst – oftmals genutzt im Social Media Feed oder als Advertorial-Serie.

Content Marketing ist Teil der Marketing-Strategie eines Unternehmens. Die für eine Zielgruppe aufbereiteten Inhalte (= Content) liefern einen Mehrwert und werden auf hauseigenen Kanälen oder anderen Blogs/Medien als Gastbeiträge veröffentlicht. 

Advertorials sind Inhalte, die Nutzwert vermitteln oder Geschichten erzählen, die für die jeweilige Zielgruppe relevant sind. 

Bezahlschranken

Die Paywall ist eine Bezahlschranke, die Webseiten-Besucher am Lesen des Artikels hindert, sofern er nicht zahlt. Medienhäuser können je nach Bezahlmodell redaktionelle Inhalte unterschiedlich anbieten:

Bei der Hard Paywall bekommen nur zahlende Abonnenten den Inhalt freigeschaltet. 

Das Freemium-Modell stellt dem Nutzer kostenfreie (= Free“) Inhalte bereit. Für ausführliche oder exklusive (= „Premium“) Artikel muss der Leser einen Tagespass oder ein Abonnement kaufen. Die beiden englischen Wörter zusammengesetzt ergeben den Begriff „Freemium“. 

Die Leser einer Webseite mit Metered-Modell haben eine begrenzte Anzahl an frei zugänglichen Inhalten pro Monat. Ist dieses Kontingent verbraucht, muss der Nutzer bis zum nächsten Monat warten oder auf ein Abonnement upgraden.

Crowdfunding

Mit Crowdfunding (Gruppenfinanzierung) kann der Verlag die Leser in die Finanzierung einbeziehen, bevor die Artikel geschrieben werden. Im Falle der Schweizer Online-Zeitung „Die Republik“ haben private Investoren sogar eine komplette Zeitschrift ins Leben gerufen. Die Nachfrage nach unabhängigen Qualitätsjournalismus war so groß, dass 2017 innerhalb kurzer Zeit 2,3 Millionen Franken eingesammelt wurden. Weltrekord im journalistischen Crowdfunding

Mikro-Bezahlmodell

Mit dem Bezahlmodell für Kleinstbeträge zahlt der Leser für jeden Artikel lediglich Cent-Beträge. Der Vorteil: Nutzer können sich unbegrenzt viele Artikel kaufen – Abonnements entfallen. Besonders vielversprechend sind Digitale Währungen. Sie gewährleisten einen schnellen Bezahlvorgang mit nur einem Klick. Vorreiter ist „Der Aktionär“. Seit 2019 können Leser des Börsenmagazins die innovative Bezahlmethode für ausgewählte Inhalte testen.

Mitgliedschafts-Modell und Rechtsform

Das Membership-Modell unterscheidet sich zum Abonnement in der Idee, einen Mehrwert zu bieten. Neben Einblicke in den Redaktionsalltag und kostenlosen Seminaren kann das eine Club-Mitgliedschaft, wie beispielsweise „Der Wirtschaftsclub“ vom „Handelsblatt“, sein. Vereinzelt stehen Mitglieder im persönlichen Austausch mit der Redaktion und können zu Mit-Autoren werden. 

Die Berliner Krautreporter haben neben einem Mitglieder-Abo beispielsweise eine Genossenschaft gegründet. Jede:r, der die in der Satzung festgelegte Einlage investiert, wird stimmberechtigtes Mitglied. Damit kann er/sie an zukünftigen Entscheidungen des Unternehmens teilhaben. Das Start-up zählt momentan 470 Genossenschafts-Mitglieder und tausende Abo-Mitglieder.

Die Schweizer „Die Republik“ verteilen die Entscheidungsgewalt auf Genossenschaft und Aktiengesellschaft. Dadurch ist unabhängige Arbeit garantiert. Die Zeitung finanziert sich mit 26.121 Mitgliedern und Abonnent:innen und wirbt mit absoluter Transparenz. Ein Erfolgsmodell. 

Neben Online-Werbeeinnahmen und Paid Content-Modellen (dt. bezahlte Inhalte) müssen Verlage ihr Angebot der Marketing-Strategie anpassen und ihre Sichtbarkeit im Internet ausdehnen:

Multimediale Inhalte

Schnell neben der Hausarbeit einen Podcast hören, im Wartezimmer durch die Fotoreportage wischen oder durch weiterführende Links an Fachwissen kommen. Egal ob als Text, Podcast, Video oder Bild – multimediale Inhalte erreichen mehr Menschen. 

Der Social Media-Auftritt gehört wie die Homepage zum guten Ton. Sind diese Kanäle miteinander vernetzt und die multimedialen Inhalte auf jedes Endgerät angepasst, steigt die Reichweite.

Verlag als Agentur

Inhalte sind das Herz eines jeden Verlags. Erstellt von Experten. Warum dieses Fachwissen nicht in Form von Webinaren, Konferenzen oder Workshops weitergeben? Lizenzen für Texte, Bilder und Videos vergeben; Content erschaffen im Auftrag eines Kunden; als Branchenexperte vernetzen oder die eigene Expertise in einer beratenden Funktion anbieten?

Ein Modell für alle?

Wie praxistauglich die Modelle sind, wird sich erst mit der Zeit zeigen. Crowdfunding-Aktionen wie von „Die Republik" zeigen aber, wie groß die Nachfrage nach unabhängiger Informationserhebung ist. Die Bereitschaft Geld zu bezahlen existiert.

Sicher ist: DAS Modell für alle gibt es nicht. Und eine einfache Mitnahme der analogen Geschäftsmodelle, mit Werbung und Abos in die digitale Welt, ist gescheitert. Die Verlage müssen die Digitalisierung als Chance begreifen und ihre Angebote an die Bedürfnisse der Leser und Leserinnen anpassen: Aktuell, persönlich, multimedial und interaktiv. Wurde eine zahlungsbereite Zielgruppe identifiziert, können auch Nischenprodukte einen gewinnbringenden Absatz generieren.


 
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von Stefan Rippler - Samstag, 3. Januar 2015, 17:05
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von Stefan Rippler - Mittwoch, 17. September 2014, 22:11
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von Stefan Rippler - Mittwoch, 19. März 2014, 22:44
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Zur Visualisierung von Daten und zur Erleichterung der täglichen Arbeit stellt Google einen Toolkit für Journalisten bereit - hilfreich (meist): http://www.google.com/get/mediatools/

 
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von Stefan Rippler - Mittwoch, 19. März 2014, 22:17
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Frag nicht, was die Medienbranche für dich tun kann, sondern was du gegen die Medienbranche tun kannst. Andreas Grieß’ Wutrede vom VOCER Innovation Day jetzt zum Nachlesen!

 
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Das Bildungswerk der Zeitungen hat ein neues Portal gestartet: "Gesprächsführung". Themen: das journalistische Interview und Gesprächsführung im redaktionellen Alltag mit Tipps und Tricks, Buchrezensionen, Links und Neues aus der Forschung.

 
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Timo Stoppacher hat zur Blogparade aufgerufen und gefragt, was Journalisten der Zukunft können sollten. Super Idee und spannende Ergebnisse. Lesen!

[ Geändert: Sonntag, 5. Januar 2014, 20:08 ]
 
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von Stefan Rippler - Sonntag, 22. Dezember 2013, 02:52
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Hilfreiches Blog, das Online-Werkzeuge für Journalisten vorstellt, die bei der täglichen Arbeit unterstützen: http://www.journalisten-tools.de.

Super Pinterest-Boards mit vielen Tools, die Journalisten bei der täglichen Arbeit weiterhelfen (vom Erstellen einer Infografik über Social Media Traffic-Analyse-Tools bis hin zu Visualisierungswerkzeugen für Big-Data-Projekte): http://www.pinterest.com/journalismtools/

[ Geändert: Samstag, 4. Januar 2014, 00:53 ]
 
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von Stefan Rippler - Dienstag, 12. November 2013, 16:21
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Video-Interviews zu Berufsbildern gibt es beim Projekt "Videoreporter" - zu Beispiel mit Annika von Taube, Community-Redakteurin von ZEIT Online.

Weitere Berufsbilder gibt es vom FOCUS Berufsjournal.

[ Geändert: Dienstag, 12. November 2013, 16:22 ]