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von Stefan Rippler - Samstag, 12. Oktober 2013, 18:13
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Man liest es wie ein ePaper-Magazin - unsere Sammlung von lesenswerten Artikeln, Checklisten, Hintergrundberichten und Co. rund ums Thema Journalismus. Flipboard sei dank: http://flip.it/uitX9

[ Geändert: Samstag, 12. Oktober 2013, 18:13 ]
 
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Spannende Infografik vom "Corporate Media Blogger":

[ Geändert: Sonntag, 22. September 2013, 13:50 ]
 
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von Stefan Rippler - Donnerstag, 19. September 2013, 21:41
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Recherchescout ist ein neu gestartetes Recherchewerkzeug für Journalisten und andere Kommunikatoren. Über das Portal kann man schnell und kostenlos Recherchefragen an Presseabteilungen von Unternehmen, Verbänden und Vereinen zu stellen, ohne mühsam alle Ansprechpartner vorher herausfinden zu müssen.

Die Anfrage ist für andere nicht sichtbar und wird nach einem Matching-System an die entsprechenden Ansprechpartner weitergegeben. PR-Schaffende haben damit die Möglichkeit, den Journalisten mit qualifizierten Inhalten bei seiner Recherche zu unterstützen. Spannender Ansatz.

 
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von Stefan Rippler - Mittwoch, 11. September 2013, 15:50
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Fachverlage, Magazine, Online-Medien, Radio-Sender - und noch viele andere mehr bieten Volontariate an. 

Meedia hat eine Übersicht zusammengestellt und zeigt, wer was voraussetzt, wie die Ausbildung im Einzelnen aussieht und was gezahlt wird - sehr lesenswert, Volontariate...:

... im TV: http://meedia.de/fernsehen/volontariate-das-fordern-und-bieten-tv-sender/2013/07/16.html

... in Fachverlagen: http://meedia.de/print/fach-volos-das-fordern-und-bieten-verlage/2013/08/26.html

... bei Online-Medien: http://meedia.de/internet/online-volos-das-fordern-die-redaktionen/2013/08/08.html

... bei Radio-Stationen: http://meedia.de/musik/radio-volos-das-bieten-und-fordern-die-stationen/2013/07/30.html

... in Verlagen: http://meedia.de/print/print-volos-das-fordern-und-bieten-verlage/2013/07/11.html

... in Magazinen: http://meedia.de/print/magazin-volos-das-fordern-und-bieten-verlage/2013/07/15.html

 
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Studium ist fast Pflicht

Andreas Heimann (dpa) ist seit 2001Chef vom Dienst und außerdem verantwortlicher Redakteur für die Bereiche Beruf und Bildung sowie Geld und Finanzen.
Medialern.de sprach mit ihm über den Berufseinstieg.

Medialern.de: Wie sieht die Lage im Blick auf die Berufsperspektive bei den Agenturen aus?

Heimann: Die Agenturen sind in der Medienbranche nur kleine Arbeitgeber. Einzelne Großverlage haben mehr Mitarbeiter als alle in Deutschland vertretenen Agenturen zusammen. Einerseits trifft die Medienkrise die Agenturen nicht so stark wie Verlage, die auf das Anzeigengeschäft angewiesen sind, weil Agenturen sich nicht durch Werbung finanzieren.Andererseits kann es den Agenturen nicht gut gehen, wenn es den übrigen Medien, für die sie arbeiten, schlecht geht. Insofern hat die Medienkrise die Agenturen längst erreicht. Andererseits weiß niemand genau, wie sich die Branche in den kommenden Monaten entwickelt. Vielleicht ist die Krise bald Geschichte. Auch dann bleibt die Chance auf einen Arbeitsplatz bei einer Agentur aber kleiner als bei anderen Medien.

Medialern.de: Sehen Sie ein Studium als zwingende Voraussetzung für eine Festanstellung?

Heimann: Wenn man die Frage pragmatisch angeht: ja. Fast überall geht es einfach nicht mehr ohne Studium - ob man Lokalredakteur bei einer Regionalzeitung werden will oder ins Hauptstadtstudio der ARD möchte. Die Zahl der Bewerber um einVolontariat ist schon lange so groß, dass die Medien auswählen können - und müssen. Dabei ist zum ungeschriebenen Gesetz geworden, ein Studium vorauszusetzen.

Ob das gut ist? Natürlich ist jemand, der ein paar Jahre lang irgendetwas vor sich hinstudiert hat, deshalb kein potenziell besserer Journalist als jemand, der eine nichtakademischeAusbildung hat.

Aber ohne Studium ist es noch viel schwieriger als mit einem Abschluss, überhaupt an einen Ausbildungsplatz und hinterher an eine Stelle zu kommen. Und in bestimmten Redaktionen haben Nicht-Akademiker so gut wie überhaupt keine Chance.

Medialern.de: Was halten Sie von einem Journalistik-Studium?

Heimann: Es ist erstens sehr viel besser als sein Ruf und zweitens sehr viel besser als etwa vor zehn Jahren. Der Ruf ist allerdings miserabel, das sollten Berufsanfänger wissen: Ich habe mehrfachJournalisten getroffen, die ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, ihre Verachtung für Journalistik-Studiengänge gezeigt haben.

Dahinter steht die Vorstellung, dass man Journalismus nicht studieren könne und andere fachliche Qualifikationen wie durch ein Wirtschafts- oder Politikwissenschaftsstudium sinnvoller seien. Ich sehe das nicht unbedingt so: Sich mit Medien und mit journalistischem Arbeiten auch schon an der Uni zu beschäftigen, halte ich auf keinen Fall für verkehrt.
Insgesamt nehmen die Vorurteile gegenüber Journalistik-Studenten auch ab - trotzdem gilt jemand, der ein Journalismusstudium mit Magister abschließt, kaum irgendwo als ausgebildeter Journalist. Für Diplom-Journalisten wie aus Dortmund gilt das sicher so nicht. Einer meiner Kollegen hat dort übrigens studiert, und ich habe den Eindruck, er hat da eine Menge gelernt.

Medialern.de: Was soll man studieren, wenn nicht Journalistik oder Germanistik?

Heimann: Gegen Journalistik spricht nichts - es muss im Magisterstudium ja auch kein Hauptfach sein. Auch Germanistik ist okay. Dass dieses Fach in irgendeiner spezifischen Weise auf den Journalismus vorbereitet, ist aber ein verbreiteter Irrtum. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun - ich sage das, obwohl ich selbst Germanistik studiert habe: Damit erwirbt man bestenfalls Kenntnisse über Literatur und Sprachwissenschaft.

Das kann nie schaden, ist aber in den wenigsten Redaktionen gefragt. Die Stellen für Literaturkritiker im Feuilleton sind extrem dünn gesät. Die Vorstellung, Germanistikstudenten hätten durch ihre Vorliebe für Literatur eine besondere Begabung zum Schreiben, ist kompletter Quatsch. Literarisches und journalistisches Schreiben haben auch nur entfernt miteinander zu tun: Fiktion und Fakten sindin der Regel sogar Gegenpole. Und wer allzu viel poetisches Talent besitzt wie Tom Kummer vom Magazin der "SZ" oder Jayson Blair, der für die "New York Times" die tollsten Reportagen erfunden hat, ist wahrscheinlich journalistisch gerade daran gescheitert, den Unterschied zwischen beidem nicht verstanden zu haben.

Welches Studium besser als Germanistik ist, lässt sich pauschal aber nicht beantworten: Grundsätzlich sind in den Medien künftig stärker Kompetenzen gefragt, wissenschaftliche, technische, wirtschaftliche, medizinische oder juristische Zusammenhänge anschaulich zu erklären. Alle Fächer, die einem helfen, das zu können, sind deshalb sinnvoll - das kann Ernährungswissenschaften ebenso sein wie Wirtschaftsinformatik. Gut ist alles, womit man sich zusätzlich qualifiziert und von anderen abhebt.

Medialern.de: Wie sieht es mit Journalistenschulen aus?

Heimann: In dem Punkt bin ich befangen - weil ich selbst auf der Henri-Nannen-Schule in Hamburg gewesen bin. Die Ausbildungdort gehört meiner Überzeugung nach auch zu den besten, die es inDeutschland gibt.

Journalistenschulen haben jedoch ganz klar Nachteile: Anders als im Volontariat gibt es kein Tarifgehalt, zum Teil wie an der BerlinerJournalistenschule sogar gar kein Geld. Üblicherweise besteht keine Übernahmemöglichkeit: Anders als bei jeder noch so kleinenTageszeitung gibt es nicht die Perspektive, im eigenen Verlagshaus in einer Redaktion zu bleiben, in der man während der Ausbildungwar. Und schon die Chance, aufgenommen zu werden, ist in der Regel denkbar schlecht: Meistens kommen auf einen Platz mehrere hundert Bewerber.

Journalistenschulen haben aber auch große Vorteile: Erstens wird man nicht nur bei einem Medium - etwa Zeitung oder Rundfunk - ausgebildet, sondern lernt unterschiedlichste journalistische Arbeitsfelder kennen. Das ist immer gut, selbst wenn man hinterher doch nur in einem Bereich bleibt. Ich habe an der Henri-Nannen-Schule zum Beispiel - ansatzweise - auch gelernt, wie ein Fernsehmagazin produziert wird und bei einem Praktikum beim NDR selbst etliche Radiobeiträge gemacht, auch wenn ich seitdem damit nie wieder etwas zu tun hatte.

Zweitens haben zumindest die renommierten Journalistenschulenwie auch die in München meistens gute Referenten und Möglichkeiten, für die Praktikumsphasen Wege in Redaktionen zu bahnen, in die viele andere Bewerber kaum hineinkommen. Drittens sind die Berufsperspektiven zumindest besser als bei vielenVolontariaten.

Medialern.de: Was halten Sie von einem journalistischen Praktikum - Einstiegschance oder Ausbeutung?

Heimann: Im besten Fall beides, wenn Ausbeutung heißt, dass der Praktikant bei dem Medium möglichst viel selbst arbeiten kann - und dann auch manchmal arbeiten muss. Praktikanten, die viel um die Ohrenhaben, sind in der Regel gute Praktikanten. Dass sie selten toll bezahlt werden, kann man beklagen. Praktika sind eben doch eher eine Investition in die Zukunft.

Wer Journalist werden will, kommt nicht daran vorbei - Journalismus ist nun einmal Praxis. Ich habe durch Praktika viel gelernt - bei der kleinen Lokalzeitung genauso wie in der Auslandsredaktion der "taz" oder im Dossier der "ZEIT". Was allerdings Unsinn ist, sind unzählige, wahllose Praktika in unterschiedlichsten Branchen.

Medialern.de: Was ist Ihre Aufgabe als Chef vom Dienstbeim dpa/gms Themendienst?

Heimann: Es gibt beim Themendienst zwei Chefs vom Dienst, die sich verschiedene Aufgaben gleichberechtigt teilen. Anders als die übrigen Redakteure arbeiten sie stärker organisatorisch und sind für den möglichst reibungslosen Ablauf des Redaktionsalltags verantwortlich.

Außerdem lesen sie alle Texte, die gesendet werden sollen, noch einmal Korrektur. Und sie sind üblicherweise diejenigen, die tagsüber die aktuellen Meldungen redigieren und in den Dienst geben. In jedem Fall ist es mehr Dienst als Chef. Der wirkliche Chef ist die Chefredakteurin: Hilke Segbers.

Medialern.de: Auf welche Themen ist Ihre Redaktion spezialisiert?

Heimann: Der Themendienst macht die Agenturberichterstattung für die so genannten Themenseiten in den Tageszeitungen: beispielsweise Tourismus/Reise, Auto und Verkehr, Gesundheit, Lifestyle, Beruf undBildung, Recht und Verbraucher, Geld und Finanzen, Frauen und Familie, Garten und Umwelt.

Medialern.de: Greifen Sie auch auf die Texte von Freien zurück oder schreiben nur Festangestellte für den Themendienst?

Heimann: Es gibt auch viele Freie, die für uns schreiben. In der Regel sind das allerdings Journalisten, zu denen wir seit langem Kontakt haben. Wir verwenden keine unaufgefordert eingeschickten Manuskripte, und wir vermeiden es, Texte von Freien abzunehmen, die nur sporadisch für uns arbeiten wollen.

Medialern.de: Was unterscheidet die Arbeit beim Themendienst von der Arbeit bei klassischenNachrichtenagenturen?

Heimann: Wir kümmern uns um solche Themenfelder, die von den traditionellen Ressorts einer Nachrichtenagentur - Politik, Wirtschaft, Sport, Kultur - nicht abgedeckt werden. Vor allemunterscheiden wir uns etwa vom Basisdienst der DeutschenPresse-Agentur dadurch, dass wir im großen und ganzen nicht tagesaktuell arbeiten.

Ein wichtiger Unterschied ist außerdem, dass wir versuchen, ratgeberorientiert zu schreiben: Ein Text für den Themendienst soll nicht einfach die bekannten W-Fragen beantworten, sondern dem Leser auch sagen, was das denn nun für ihn bedeutet, was er daraus schließen kann und was er tun sollte. Das gilt für einen Text über niedrige Zinsen für Darlehen genauso wie bei einem Artikel über Multiple Sklerose. Der Themendienst stellt nicht die Frage "Was heißt das für die Wirtschaft?" oder "Was bedeutet das politisch?", sondern "Was kann der Verbraucher tun?". Und der Verbraucher - das sind wir alle.

Medialern.de: Vielen Dank für das Interview, Herr Heimann.

[ Geändert: Dienstag, 6. August 2013, 21:01 ]
 
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Am Anfang ist man immer naiver!

Helmut Markwort entwickelt und etablierte das Magazin und den Markennamen FOCUS. Medialern.de sprach mit ihm über seinen Arbeitsalltag, seine Karriere und über Tipps für junge Journalisten.

Medialern.de: Was würden Sie einem jungen Kollegen, der gerade mit seiner Karriere beginnt, mit auf den Weg geben?

Markwort: Er sollte möglichst viel lernen: Sprachen, Betriebswirtschaft, Jura (oder beides). Er sollte versuchen, Erfahrungen im Ausland zu sammeln und sich somit gut auf das Berufsleben vorbereiten. Die Ansprüche im Journalismus werden stetig höher. Denke ich beispielsweise an die Genforschung, so muss der Journalist ja ständig auf dem neuesten Stand sein... Er sollte natürlich die klassischen Eigenschaften eines Journalistenhaben: neugierig, schreiblustig, flexibel, und so weiter.

Medialern.de: Hatten Sie, als Sie als Journalist angefangen haben, eine andere Einstellung zum Beruf als heute?

Markwort: Natürlich ist man am Anfang immer etwas naiver. Ich habe wahnsinnig viel dazu gelernt und tue dies auch heute noch. Ich habe ja bei Zeitschriften, Illustrierten gearbeitet (als Journalist, Geschäftsführer, Chefredakteur und Herausgeber), einen Radio-Sender gegründet und vieles mehr. Ich hatte nie gedacht, dass ich so schnell vorangehen würde. Ich kenne den Beruf nun von vielen Gesichtspunkten aus. Als Volontär konnte ich diese Erfahrungen kaum haben, sodass ich gegenüber früher sehr, sehr viel dazugelernt habe... und man soll mit dem Lernen nie aufhören.

Medialern.de: Wie hat sich die Medien-Branche hinsichtlich der Einstiegsmöglichkeiten verändert, wenn Sie die Situation als Sie als Journalist angefangen haben mit der heutigen vergleichen?

Markwort: Heute verlangen ja viele Medien ein abgeschlossenes Studium. Das war früher nicht so. Es ist also mit Sicherheit schwieriger geworden, in den Beruf einzusteigen. Das hängt vielleicht auch damit zusammen, dass auf den Beruf Journalist ein starker Run zu beobachten ist und der Beruf zum Trendberuf geworden ist. Was sich gegenüber früher auch verändert hat, ist der weibliche Anteil der Bewerber. Wenn ich mir die Bewerbungen für ein Volontariat ansehe, so ist ein Prozentsatz von 60-70% der Bewerber weiblich.

Medialern.de: Was halten Sie von einem journalistischen Praktikum?

Markwort: Von einem Praktikum halte ich viel. Jedoch ist es sehr schwierig, an ein solches zu kommen. Wer sich zum Beispiel bei uns für ein Praktikum bewirbt, ohne journalistische Erfahrungen gemacht zu haben, hat keine Chance. Bei FOCUS ist eine breiteAusbildung Voraussetzung für ein Praktikum. Wünschenswert wäre, wenn der oder die Bewerber/in schon Erfahrungen bei verschiedensten Ressorts der Tageszeitung gemacht hätte, oder schon mal für eine Radio- oder TV-Station tätig war, da dasNachrichtenmagazin schon sehr speziell ist. Man sollte sich als Bewerber schon Gedanken darüber gemacht haben, in welche Sparte man möchte.

Medialern.de: Was erwarten Sie von einem jungen Kollegen, der sich beim FOCUS bewirbt?

Markwort: Neben der oben erwähnten Erfahrung sollte ein Bewerber eine gute Ausbildung vorweisen können (Abitur, abgeschlossenes Hochschulstudium...). Am liebsten wäre es mir, wenn der Bewerber gleich eine fertige, oder nahezu druckreife Geschichte mitbringt. Der Bewerber zeigt damit, dass er sich mit dem Medium, bei dem er sich bewirbt auseinandergesetzt hat und sich mit dessen (Schreib-)Stil beschäftigt hat.

[ Geändert: Sonntag, 4. August 2013, 16:10 ]
 
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Beruf als Berufung

Copyright des Bildes: RTLPeter Kloeppel ist einer der beliebtesten deutschenNachrichtenmoderatoren. Nach Beendigung seines Abiturs im Jahre 1977 studierte Kloeppel in Göttingen Agrarwissenschaften. In den Jahren 1983 bis 1985 besuchte er die Henri-Nannen-Journalistenschule in Hamburg. 

Medialern.de sprach mit ihm über seine Ausbildung, die Chancen von Nachwuchsjournalisten.

Medialern.de: Sie sind studierter Argraringenieur. Wie war Ihr erster Kontakt mit dem Journalismus?

Peter Kloeppel: Den ersten Kontakt mit dem Journalismus hatte ich in den 60er Jahren, als ich im zarten Alter von fünf bis sechs Jahren anfing, Zeitung zu lesen - die FAZ. Meine Eltern hatten sie abonniert und ich las mit steigendem Interesse in diesem riesigdicken Blatt - vor allem am Wochenende konnte man das Gewicht der Zeitung ja schon fast in Kilogramm angeben. Damals konnte ich mir noch nicht vorstellen, selbst journalistisch tätig zu werden. Das änderte sich während des Studiums. Ich merkte, dass ein Dasein als Landwirt mit eigenem Bauernhof nichts für mich wäre. Viel lieber wollte ich übergreifend arbeiten: Es war mir ein Anliegen, anderen Menschen Dinge aus der Landwirtschaft zu erklären, die vielleicht auch mir einmal schleierhaft waren - etwas Licht in das Wissensdunkel zu bringen. Es lag nahe, an Agrarjournalismus zu denken - immer mit dem Wunsch im Hintergrund, Wissenschaft und Journalismus zu verbinden. Daraufhin bewarb ich mich nach Studienabschluss bei der Hamburger Journalistenschule, die heute Henri-Nannen-Schule heißt.

Medialern.de: Glauben Sie, ein Bewerber ohne journalistische Vorkenntnisse, hat heute eine Chance auf eine Ausbildung in einer Journalistenschule?

PK: Das möchte ich nicht ausschließen. Es kommt sehr darauf an, wie man sich in der zweitägigen Auswahlprüfung bewährt. Natürlich hatte ich damals keine journalistische Vorkenntnis, aber ich habe mich gut vorbereitet und wusste in etwa, was mich erwartet. Außerdem gaben Prüfer auch Hilfestellungen: Wenn eineReportage zu schreiben war, wurde uns schon gesagt, dass es nicht darum geht, eine Nachricht, einen Bericht oder Kommentar zu verfassen, sondern eben eine Geschichte über Menschen. Alles andere musste ich auf mich zukommen lassen. Ich sagte mir: gut, ich habe zwar keine journalistischen Erfahrungen, aber genau darum möchte ich ja auf eine Journalistenschule. Wer heute genauso mit einer gewissen Unbefangenheit, etwas Selbstbewusstsein und dem Willen, etwas zu bewegen an die Auswahlprüfung herangeht und sich auch noch gut verkaufen kann, hat sicherlich die Chance, bei einer Journalistenschuleangenommen zu werden.

Medialern.de: Von der Journalistenschule zum Anchorman bei RTL - wie haben Sie das gemacht?

PK: Während der Journalistenschulzeit habe ich vier dreimonatige Praktika gemacht: in der badhomburgischen Lokalredaktion der Taunuszeitung, im Wirtschaftsteil der Stuttgarter Zeitung, im Wissenschaftsressort vom stern und von Januar bis April 1985 bei RTLplus in Luxemburg - damals ein kleiner Sender mit 50 -60 Angestellten. Dort habe ich mich in der Nachrichtenredaktion wohl gefühlt. Die Leute in Luxemburg waren wohl der Meinung, "mit dem Kloeppel" könne man etwas anfangen. So kam ich an das Angebot, als Korrespondent in die damalige Bundeshauptstadt Bonn zu gehen. Diese Chance konnte ich mir nicht entgehen lassen, denn Agrarjournalist konnte ich ja immer noch werden. Daraus wurde nichts mehr - aus der Fernsehkarriere dann umso mehr.

Medialern.de: Wann ist ein Anchorman ein guter Anchorman?

PK: Ein Anchorman ist dann gut, wenn er nicht sich, sondern dieNachricht in den Vordergrund stellt und weiß, wie wichtig grundsätzlich eine Nachricht ist. Er sollte eine gute Allgemeinbildung haben und Fremdsprachen beherrschen. Erfahrungen als Reporter sind genauso wichtig wie eine längere Mitarbeit in einer Redaktion. Gut ist es, wenn man in dieser Zeit politische Erfahrung gesammelt hat. Grundsätzlich muss ein Anchorman, aber auch jeder (Nachrichten-)Moderator, die Fähigkeit haben, schwierige Sachverhalte einfach und verständlich darzustellen und zwar auch ohne dies vorher auf Papier gebracht zu haben. Er muss also eine Information, die er hat -oder seine Gedanken dazu- Freischnauze so formulieren können, dass die Empfänger sie verstehen.Wenn ein Anchorman das alles kann und es dann noch schafft, dass das Publikum ihm gerne zuhört und vertraut - er also eine Art Beziehung zum Publikum aufbauen kann -ist er ein guter Anchorman.

Medialern.de: Was ist ihr Verständnis von Nachrichten?

PK: Nachrichten sind Dinge über die Journalisten berichten und dabei interessant und relevant für den Rezipienten sein sollten. Eine Nachricht hat unterschiedlichen Stellenwert in verschiedenenMedien. Es gibt also beispielsweise in der Tageszeitungsredaktion ganz andere Bewertungsmaßstäbe dafür, welche Nachricht wichtig ist oder was zu einer Nachricht wird als das bei einem Wochenmagazin oder einem Fernsehsender der Fall ist. Worin sichJournalisten aber immer einig sind: Eine Nachricht ist ein Faktum, das es zu berichten gilt, weil es für den Leser oder Zuhörer von Bedeutung ist.

Medialern.de: Was sagen Sie zu dem Zitat von Peter Hahne: "Jemand, der Nachrichten macht, macht Nachrichten, damit sich Leute danach richten"?

PK: Man kann seinen Beruf als Berufung verstehen und sich so verhalten, dass man sagt: "Alles was ich hier zu verkünden habe, ist etwas, wonach ihr euch zu richten habt". Das ist ein Zitat von Peter Hahne, das man zum Teil unterschreiben kann. Bei derNachrichtenauswahl sollte aber nicht der eigene Geschmack im Vordergrund stehen. Denn die Frage, zu entscheiden, ob das was ich für eine Nachricht halte, ein Kompass für das Leben der Rezipienten ist, ist eine Frage, die ich nicht jeden Tag ohne Weiteres beantworten kann. Es gibt nämlich viele Dinge, die mich interessieren, aber keine relevante Nachricht für die Zuschauer ist und umgekehrt. Man muss einen Mittelweg finden. Wenn man einen festausgerichteten journalistischen Kompass als Wegweiser zu diesem Mittelweg hat, ist das grundsätzlich keine schlechte Sache für einen Journalisten.

Medialern.de: Wie bekommt man einen solchen festausgerichteten Kompass?

PK: Was für die Menschen eine Relevanz hat und somitberichtenswert ist, bekommt man als Journalist recht schnell mit. Die Fähigkeit, Nachrichten auszuwählen wird mit steigender journalistischer Erfahrung immer ausgeprägter. Der Kompass besteht aber aus mehreren Faktoren -nicht nur aus der journalistischen Erfahrung, sondern auch aus der eigenen Sozialisation und ist von Medium zu Medium unterschiedlich ausgerichtet. Was also für einen Fernsehsender berichtenswert erscheint, muss am nächsten Tag nicht in der Zeitung stehen. Fernsehen lebt eben viel mehr von Bildern als Zeitungen, die mehr von Texten leben. Grundsätzlich denke ich aber, das jederJournalist einen solchen Kompass hat und die Summe dieser relativ gleich gerichtet ist.

Medialern.de: Wie schätzen Sie die Chancen eines journalistischen Praktikums ein?

PK: Jeder, der in einen Beruf hineinschnuppern und herausfinden möchte, ob der Beruf zu einem passt, sollte zu diesem Zweck ein Praktikum absolvieren und mit Leuten sprechen, die den Beruf schon mehrere Jahre ausgeübt haben. Denn es kann nur jemand wissen, wie es in einem Berufsfeld zugeht, der dort auch schon gearbeitet hat. Praktika sind also wichtig. Es ist aber ein Irrglaube, dass man durch mehrere Praktika besonders gut geworden ist. Wenn hier jemand mit 28 Jahren reinkommt und mir zwar ein abgeschlossenes Studium vorweisen kann, aber nach der Uni nur Praktika gemacht hat, ist das nicht das Entrée, das ich mir vorstelle...

Medialern.de: Sehen Sie bei Praktika nicht die Gefahr der Ausbeutung?

PK: Ich kann nicht ausschließen, dass einige Praktikanten beispielsweise in schlechtbesetzten Redaktionen ausgebeutet werden - wenn man das so böse sagen möchte. Bei RTL ist das definitiv nicht der Fall. Hier werden die Praktikanten an die Hand genommen, wir zeigen ihnen so viel wir können und hoffen, dass sie etwas lernen in den drei bis vier Wochen, in denen sie hier sind.
Praktika, in denen der Praktikant relativ schnell rausgeschickt wird, Verantwortung übernimmt, "ausgebeutet" wird, sollte man als Chance und Herausforderung sehen, denn als Praktikant will man ja arbeiten. Wenn einem aber zu viel aufgebürdet wird, sollte man mit den Kollegen reden und sie darauf hinweisen, dass man zum reinschnuppern da ist und keinen festangestellten, fertig ausgebildeten Arbeitnehmer ersetzt.

Medialern.de: Was geben Sie einem Nachwuchsjournalisten mit auf den Weg?

PK: Das was ich allen Journalisten mit auf den Weg gebe, nicht nur jungen, auch alten, mit denen ich mich unterhalte und diskutiere, wie man sich immer wieder neu motivieren kann. Versuchen Sie, kreativ und besser als die Konkurrenz zu sein. Haben Sie Ideen und diskutieren Sie diese mit anderen. Sitzen Sie nicht nur im stillen Kämmerlein, sondern suchen Sie den Austausch. Haben Sie keine Scheu, raus zu gehen. Lernen, Journalist zu sein, kann man nicht nur hinter dem Redaktionsschreibtisch. Man muss raus, an die Orte, wo Geschichten entstehen. Nur dort bekommen Sie die Eindrücke, die Ideen und die Menschenkenntnis, die Sie als Journalistbrauchen, um gut arbeiten zu können.

Medialern.de: Vielen Dank für das Interview.

[ Geändert: Dienstag, 6. August 2013, 21:02 ]
 
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Journalisten auf die Schulbank

Foto: Timm Klotzek (privat)Timm Klotzek war Chefredakteur und Mitgründer von Neon, dem Magazin des „stern“ für junge Erwachsene. Mit 35. Jetzt ist er Chefredakteur des Magazins der Süddeutschen Zeitung.

Mit 28 war er Redaktionsleiter bei "jetzt", dem Jugendmagazin der Süddeutschen Zeitung. 
Timm besuchte die DeutscheJournalistenschule in München (mit 22 Jahren) und studierte Kommunikationswissenschaften, Politik und Soziologie.

Medialern.de sprach mit ihm über die Journalistenausbildung, seine Karriere und über Medienpraktika.

Medialern.de: Was geben Sie den Nachwuchsjournalisten von heute mit auf den Weg?

Timm Klotzek: Generell würde ich nur raten, so früh wie möglich so viel wie möglich zu schreiben.

Medialern.de: Haben Sie schon immer geschrieben?

Klotzek: Eigentlich ja: Auf meiner Schule in Frankfurt habe ich für die Schülerzeitung geschrieben. Den Berufswunsch Journalist hatte ich damals aber noch nicht. Für meinen Artikel in der Abi-Zeitung habe ich als Traumberuf "Fischer" angegeben. Eine Verlegenheitsantwort. Dann bin ich irgendwie in den Journalismus reingerutscht. Habe ein Praktikum bei einer Tageszeitung gemacht und hier und da mal etwas geschrieben, Lokal- und Sportberichterstattung. Mit meiner Aufnahme an der DeutschenJournalistenschule startete ich dann meine "Karriere".

Medialern.de: Wie schafft man es, an einerJournalistenschule genommen zu werden?

Klotzek: Ein Patentrezept, das hundertprozentig zum Erfolg führt, kann ich nicht geben. Bei mir hat es auch erst beim zweiten Versuch geklappt. Aber die Leute dort waren sehr nett: Als es das erste Mal nicht geklappt hat, bin ich ermutigt worden, es noch mal zu versuchen. Wenn man für den Journalismus brennt, gut schreiben kann und hartnäckig ist, kann das nicht schaden. Ansonsten: Es war Glück dabei und Zufall. Wichtig für die Fragen im Auswahlgespräch ist eine gute Allgemeinbildung, vor allem im Bereich Politik und Gesellschaft. Also: Regelmäßig Zeitung lesen.

Medialern.de: Können Sie die Journalistenschule als Berufseinstieg empfehlen?

Klotzek: Die Ausbildung, besonders bei der DeutschenJournalistenschule in München oder der Henri-Nannen-Schule in Hamburg, ist toll. Aber: Auch wer dort nicht genommen wird, kannJournalist werden.

Medialern.de: Wie?

Klotzek: Wichtig ist, egal ob im Studium oder einer anderenAusbildung, systematisches Denken und Recherchieren zu lernen und nicht zum Fachidioten zu werden. Wenn man das drauf hat, dann kann man ein Volontariat absolvieren und seine Karriere im Journalismus beginnen.

Medialern.de: Was sollte man denn studieren, wenn man sich entschlossen hat die Uni oder eine FH zu besuchen?

Klotzek: Man studiert am besten ein Fach, in dessen Bereich man später mal recherchieren und schreiben möchte – für Politik-Redakteure wäre das Politikwissenschaft, für Wirtschaftsjournalisten Betriebswirtschaftslehre. Allerdings kann es auch ganz interessant sein, als Nicht-Politologe später mal Bundestagsreden zu beleuchten – da achtet man vielleicht auf Dinge, die einem Politikwissenschaftler nicht auffallen würden.

Medialern.de: Was halten Sie vom journalistischen Praktikum?

Klotzek: Sehr viel: Hier kannst du dich ausprobieren und kannst überprüfen, ob dich dein Traumberuf wirklich träumen lässt. Außerdem bietet das Praktikum eine gute Möglichkeit, in der Wunschbranche Fuß zu fassen, Netzwerke aufzubauen.

Medialern.de: Wie viele Praktika sollte man absolvieren?

Klotzek: Eine Richtzahl zu nennen ist da sehr schwer. Das kommt immer auf den Einzelfall an. So muss eine hohe Zahl absolvierter Praktika ja nicht zwingend heißen, dass der Bewerber für eine Festanstellung nicht qualifiziert ist. Wenn jemand beispielsweise eine Weltreise macht und in einigen Ländern Praktika macht, ist dagegen nichts einzuwenden. Wenn ich selbst Praktikanten anstelle, achte ich nicht darauf, wie viele Praktika der Bewerber gemacht hat. Ich überlege viel mehr, ob der Bewerber auf Grund des Anschreibens, des Lebenslaufes und der Arbeitsproben zu uns passen könnte.

Medialern.de: Was muss man mitbringen, um bei Neon ein Praktikum zu bekommen?

Klotzek: Es muss um eine gute Geschichte gehen. Wer bei uns ein Praktikum machen will, soll einen kurzen prägnanten Lebenslauf schreiben. Wir wollen wissen, über welche Themen er schreiben möchte und warum ausgerechnet er bei Neon genommen werden soll. Außerdem sollte der Bewerber drei Monate Zeit mitbringen, denn so lange dauern Praktika bei uns. Und während dieser Zeit heißt es nicht Kopieren, Kuschen, Kaffekochen – das ist nicht der Sinn von Praktika. Viel mehr heißt es: Die Arbeit in der Redaktion kennen lernen, die Augen nach Themen offen halten, recherchieren und Artikel schreiben.

Medialern.de: Vielen Dank für das Interview.

[ Geändert: Samstag, 28. September 2013, 22:17 ]
 
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Nachrichten zum danach Richten?

Peter Hahne bei einem Interview für berlin-direkt. (Quelle: ZDF, Fotograf: Wolfgang Lehmann)Peter Hahne ist stellvertretender Leiter des ZDF-Hauptstadtstudios Berlin, Moderator des Politmagazins "Berlin direkt", Bestseller-Autor und Kolumnist der "Bild am Sonntag".

Medialern.de: Wie war Ihr erster Kontakt mit dem Journalismus?

Peter Hahne: Der entsprang meiner größten Schwäche (die ich ja inzwischen zum Beruf gemacht habe...): Neugier! Mitten im Studium lernte ich auf einer Journalistentagung einen ARD-Intendanten kennen, zeigte Interesse am "Reinschnuppern", landete bereits wenige Wochen später in den Semesterferien in der politischen Redaktion des Saarländischen Rundfunks -- und blieb 13 Jahre dort. Also: von der Pieke auf gelernt, nebenbei Studium beendet. Es folgten 13 Jahre ZDF (u.a. Redaktion und Moderation der Hauptnachrichtensendung "heute") in Mainz. Und nun seit 1999 Hauptstadtstudio Berlin.

Medialern.de: Was müssten die Medien in Deutschland besser machen und warum?

Hahne: In Sprache und Themenwahl noch näher an den Konsumenten! Damit meine ich keine verlogene Betroffenheitslyrik, sondern das Wecken echten Interesses auch für schwierige Themen. Moderatoren und Macher müssen sich als Anwälte der Bürger verstehen. Man muss es ihnen abspüren, dass sie eine wichtige Nachricht weitergeben wollen. Dazu bedarf es einiger Grundschritte: gut recherchiert, verständlich formuliert, ansprechend präsentiert, damit es den Zuschauer/Leser wirklich interessiert, und vielleicht sogar fasziniert.

Medialern.de: Wie sehen Sie das Verhältnis Journalist-Politiker? Wie sollten sich Journalisten gegenüber ihnen verhalten?

Hahne: Sich auf jeden Fall nicht gemein machen. Dicht dran, aber mit Distanz. Die Nähe um der Informationen willen suchen, ohne die Distanz um der Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit willen zu verlieren.

Medialern.de: Was würden Sie einem jungen Nachwuchsjournalisten mit auf den Weg geben?

Hahne: Offene (Redaktions-) Türen erkennen, immer am Ball bleiben, nie aufgeben, sich für nichts zu schade sein. Man kommt nicht als Intendant oder Chefredakteur auf die Welt. Und dann: machen, machen, machen. Journalisten gibt es wie Sand am Meer, freie Stellen muss man mit der Lupe suchen, die Welle der Arbeitslosigkeit hat unseren Beruf voll erfasst. Deshalb gilt es, Kontakte zu suchen und zu halten, exzellentes Sachwissen mit fachlicher Professionalität zu verbinden. Auf jeden Fall rate ich, ein Studium abzuschließen, das einem ein "anderes Standbein" ermöglicht.

Peter Hahne im Studio des ZDF. (Quelle: ZDF, Fotograf: Jürgen Detmers)Medialern.de: Welchen Einfluss hat die Medienbranche auf die derzeitige Politik?

Hahne: Jede Gesellschaft hat die Medien, die sie verdient. Sind sie nun Spiegel herrschender Strömungen und Meinungen, oder sind sie deren Macher? Eine beliebte (Glaubens-)Frage, die wohl nie letztgültig zu beantworten ist. Ich glaube, dass die Medien wesentlich weniger Einfluss oder Macht haben, als viele meinen.

Medialern.de: Welche ethische Verantwortung hat der Journalismus?

Hahne: Wer Nachrichten macht, der macht Nachrichten, damit andere sich danach richten. Wer also Nachrichten anrichtet, der sollte immer bedenken, was er damit anrichtet. Wichtiger als Objektivität ist mir die Fairness. Zum ethischen Handwerkszeug gehören Sach- und Fachwissen, Wahrheit und die Liebe zum Konsumenten.

Medialern.de: Welches Motto haben Sie?

Hahne: Sich selber nicht so wichtig nehmen, dafür jedoch den Adressaten meiner Nachricht und diese selbst. Und: Ich muss dem, für den und über den ich berichte, weiter in die Augen sehen können.

Medialern.de: Herr Hahne, vielen Dank für das Interview!

[ Geändert: Sonntag, 4. August 2013, 16:11 ]
 
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"Wer nur in Deutschland gelebt hat, erscheint zuweilen etwas naiv" 

Mathias Müller von Blumencron, 47, hat nach seinem Jura-Studium den 9. Lehrgang der Henri-Nannen-Schule besucht. 1989 wurde er Redakteur bei Capital in Köln, 1991 Korrespondent der Wirtschaftswoche, erst in Zürich, dann in Berlin. Seit 1992 ist Blumencron beim Spiegel, zunächst als Redakteur im Ressort Deutschland II, später stv. Ressortleiter. Von 1996 bis 1998 SPIEGEL-Korrespondent in Washington, von 1998 bis 2000 in New York. Danach war er Online-Chef,  Chefredakteurvom Magazin SPIEGEL und jetzt Digital-Chef der FAZ.

Medialern.de: Wenn man dieser Tage Journalisten fragt, wie es um ihren Beruf steht, hört man immer wieder Klagen über eingestampfte Zeitung, schnell geschriebene Artikel - eben mangelnde Qualität. Für Nachwuchsjournalisten gesprochen: Wie definiert sich Qualitätsjournalismus?

Müller von Blumencron: Qualitätsjournalismus bedeutet saubereRecherche, gute analytische Umsetzung, gute Schreibe und vor allem Glaubwürdigkeit und Unabhängigkeit.

Medialern.de: Wie sieht es mit der ethischen Verantwortung aus?

MB: Der Wahrheit verpflichtet, kritische Distanz zur Macht.

Medialern.de: Sie selbst waren lange Zeit im Ausland journalistisch tätig; so zum Beispiel in den USA und in der Schweiz. Können die Medien hierzulande etwas von den ausländischen lernen?

MB: Sie sollten so gut werden, wie die besten ausländischenMedien.

Medialern.de: Sind also Auslandserfahrungen ein entscheidender Faktor für den Berufseinstieg?

MB: Sie sind wünschenswert aber nicht unbedingt nötig. Wer nur in Deutschland gelebt hat, erscheint zuweilen etwas naiv.

Medialern.de: Wie sieht das "perfekte Praktikum" aus?

MB: Es gibt eine faire Chance zum Mitmachen und Lernen.Journalist sein, bedeutet Leidenschaft. Jeder sollte sich prüfen, ob er diese Leidenschaft aufbringen will: Nachts zu arbeiten, Freundschaften zu riskieren, mit wenig Geld zu beginnen, ständig nach Geschichten zu fahnden und das beste aus ihnen herauszuholen ...

Medialern.de: Das heißt?

MB: ... Recherchieren lernen, hartnäckig bleiben. In der Lokalredaktion anfangen, eigene Ansprüche zurückstellen und mit den Kollegen klarkommen.

Medialern.de: Vielen Dank, Herr Müller von Blumencron.