Website-Blog

Weltweit öffentlich

"Wer nur in Deutschland gelebt hat, erscheint zuweilen etwas naiv" 

Mathias Müller von Blumencron, 47, hat nach seinem Jura-Studium den 9. Lehrgang der Henri-Nannen-Schule besucht. 1989 wurde er Redakteur bei Capital in Köln, 1991 Korrespondent der Wirtschaftswoche, erst in Zürich, dann in Berlin. Seit 1992 ist Blumencron beim Spiegel, zunächst als Redakteur im Ressort Deutschland II, später stv. Ressortleiter. Von 1996 bis 1998 SPIEGEL-Korrespondent in Washington, von 1998 bis 2000 in New York. Danach war er Online-Chef,  Chefredakteurvom Magazin SPIEGEL und jetzt Digital-Chef der FAZ.

Medialern.de: Wenn man dieser Tage Journalisten fragt, wie es um ihren Beruf steht, hört man immer wieder Klagen über eingestampfte Zeitung, schnell geschriebene Artikel - eben mangelnde Qualität. Für Nachwuchsjournalisten gesprochen: Wie definiert sich Qualitätsjournalismus?

Müller von Blumencron: Qualitätsjournalismus bedeutet saubereRecherche, gute analytische Umsetzung, gute Schreibe und vor allem Glaubwürdigkeit und Unabhängigkeit.

Medialern.de: Wie sieht es mit der ethischen Verantwortung aus?

MB: Der Wahrheit verpflichtet, kritische Distanz zur Macht.

Medialern.de: Sie selbst waren lange Zeit im Ausland journalistisch tätig; so zum Beispiel in den USA und in der Schweiz. Können die Medien hierzulande etwas von den ausländischen lernen?

MB: Sie sollten so gut werden, wie die besten ausländischenMedien.

Medialern.de: Sind also Auslandserfahrungen ein entscheidender Faktor für den Berufseinstieg?

MB: Sie sind wünschenswert aber nicht unbedingt nötig. Wer nur in Deutschland gelebt hat, erscheint zuweilen etwas naiv.

Medialern.de: Wie sieht das "perfekte Praktikum" aus?

MB: Es gibt eine faire Chance zum Mitmachen und Lernen.Journalist sein, bedeutet Leidenschaft. Jeder sollte sich prüfen, ob er diese Leidenschaft aufbringen will: Nachts zu arbeiten, Freundschaften zu riskieren, mit wenig Geld zu beginnen, ständig nach Geschichten zu fahnden und das beste aus ihnen herauszuholen ...

Medialern.de: Das heißt?

MB: ... Recherchieren lernen, hartnäckig bleiben. In der Lokalredaktion anfangen, eigene Ansprüche zurückstellen und mit den Kollegen klarkommen.

Medialern.de: Vielen Dank, Herr Müller von Blumencron.

 
Weltweit öffentlich

Hartnäckigkeit siegt 

Reinhold BeckmannReinhold Beckmann, gebürtiger Twistringer (Niedersachsen) begann 1984 als Filme-Macher für den WDR in Köln. 1990 berichtete Beckmann von der Fußball-WM in Italien. Zusammen mit Helge Schneider moderierte er die Kultsendung "Off-Show" im dritten Programm des WDR. 1991 wechselte er als Sport-Chef zu Premiere. Ein Jahr später wurde er Programm-Direktor-Sport von SAT.1 und entwickelte dort die Sendung "ran" und "ranissimo". 1999 kehrte er zur ARD zurück und moderiert die Samstagabend-Show "Guinness - Die Show der Rekorde". Außerdem präsentiert er in der ARD seine Gesprächssendung "Beckmann".

Medialern.de: Sie sind ja ein Quereinsteiger in die Medien-Branche. Könnten Sie kurz Ihren Weg in den Journalismus beschreiben?

Beckmann: Dass ich Journalist wurde ist, wie bei anderen Kollegen auch, das Zusammenspiel mehrerer Zufälle. Meinen ersten Kontakt mit der Medien-Branche hatte ich als Zivildienstleistender. In dieser Zeit war es meine Aufgabe, ein Foto- und Videostudio für Jugendliche zu betreuen. Mein Interesse für Film und Fernsehen setzte sich während meines Studiums fort. Bei der Produktionsfirma "Tag-Traum" war ich für einen Teil der Technik verantwortlich und habe parallel bei der Regie-Arbeit zugesehen. Dabei habe ich eine Menge gelernt. Danach arbeitete ich als freier Mitarbeiter beim WDR, produzierte kleine Filme bis hinzu längeren Dokumentationen im dritten Programm. Eines Tages sprach mich der damaligeChefredakteur der "Aktuellen Stunde" (WDR-Produktion) an. Er wollte mich überzeugen, auch einmal vor der Kamera zu stehen. Nach einigem Zureden war ich einverstanden und ließ es auf einen ersten Versuch ankommen. Meine Aufgabe bestand darin, Künstler vor ihrem Auftritt hinter der Bühne zu überraschen und mit ihnen ein Gespräch zu führen. Natürlich war man wenige Minuten vor dem Auftritt nicht immer willkommen. Drei Jahre habe ich diese "Live-Interviews" gemacht. Das Fußball-Kommentieren kam dann später hinzu. Mein Studium der Germanistik und der Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften habe ich nicht abgeschlossen. Den Abbruch bereue ich im Nachhinein nicht. Denn wenn es Joschka Fischer ohne akademische Ausbildung zu einem guten Außenminister brachte, kann man auch ohne Magister-Abschluss als Journalist bestehen (lacht).

Medialern.de: Würden Sie sagen, dass der Quereinstieg einfach für Sie war und glauben Sie, ein solcher Einstieg ist heute noch möglich?

Beckmann: Ich kenne sehr viele Quereinsteiger in die Fernsehbranche. Der Quereinstieg ist bestimmt nicht die einzige oder beste Möglichkeit für den Journalisten-Beruf. Er ist mir aber sympathischer, als einige junge Studenten, die mit 19 schon genau wissen: "Ich will in die Medien!". Mit 19 hatte ich keine Ahnung, wohin ich wollte. Quereinsteiger haben manchmal mehr von dem wirklichen Leben erfahren und diese Erfahrungen sind im Journalismus sehr nützlich.

Medialern.de: Was empfehlen Sie jemandem, der gerade beginnt, sich für den Einstieg in den Journalismus zu interessieren?

Beckmann: Die Frage ist schwer zu beantworten. Ich habe früher die Leute sehr beneidet, denen es möglich war, auf die Henri-Nannen-Schule oder eine Filmschule zu gehen. Leider gibt es dort nur wenige Studienplätze. Es sollte sich keiner von einer misslungenen Aufnahmeprüfung irritieren lassen. Warum? Nimmt man beispielsweise Veronika Ferres und Til Schwaiger, zwei erfolgreiche Schauspieler: Sie sind mehrmals bei Aufnahmeprüfungen an Schauspielschulen durchgerasselt. Ich kann keine generelle Empfehlung geben, jeder muss selbst wissen, welchen Weg er letzten Endes ausprobieren möchte.

Medialern.de: Was halten Sie von einem journalistischen Praktikum und warum?

Beckmann: Ein journalistisches Praktikum hat den großen Vorteil, sich einmal inhaltlich auszuprobieren und festzustellen, ob der Job genau das Richtige für einen ist. Leider gibt es viel zu wenig Praktikumsstellen inMedien-Unternehmen.

Medialern.de: Sehen Sie in einem Praktikum eine Chance auf einen Quereinstieg in die Branche?

Beckmann: Klar, wobei man aber sagen muss, dass bei einem Volontariat die Chance auf eine Übernahme größer ist. Aber wenn uns auffällt, dass ein Praktikant oder ein Volontär sehr gute Arbeit leistet, einen guten Eindruck macht, hat er selbstverständlich große Chancen, weiter für uns zu arbeiten. Bei uns in der Redaktion ist dies schon häufiger mal passiert. Ich kann also nur empfehlen: wenn jemand die Chance auf ein Praktikum oder ein Volontariat hat, soll er sie nutzen!

Medialern.de: Sie sehen für einen Einstieg in die Medienbranche ein Studium nicht als zwingende Voraussetzung an?

Beckmann: Der Journalismus ist schon des öfteren ein Auffangbecken für akademische Versager gewesen. (lacht) Er hat somit auch eine gewisse sozial-therapeutische Funktion in unserer Gesellschaft. In der Medien-Branche kommt es einfach viel mehr auf die Persönlichkeit an als auf eine akademische Karriere.

Medialern.de: Herr Beckmann, vielen Dank für das Interview!

[ Geändert: Sonntag, 4. August 2013, 15:36 ]