Blogeinträge von Stefan Rippler

Weltweit öffentlich

Nachrichten zum danach Richten?

Peter Hahne bei einem Interview für berlin-direkt. (Quelle: ZDF, Fotograf: Wolfgang Lehmann)Peter Hahne ist stellvertretender Leiter des ZDF-Hauptstadtstudios Berlin, Moderator des Politmagazins "Berlin direkt", Bestseller-Autor und Kolumnist der "Bild am Sonntag".

Medialern.de: Wie war Ihr erster Kontakt mit dem Journalismus?

Peter Hahne: Der entsprang meiner größten Schwäche (die ich ja inzwischen zum Beruf gemacht habe...): Neugier! Mitten im Studium lernte ich auf einer Journalistentagung einen ARD-Intendanten kennen, zeigte Interesse am "Reinschnuppern", landete bereits wenige Wochen später in den Semesterferien in der politischen Redaktion des Saarländischen Rundfunks -- und blieb 13 Jahre dort. Also: von der Pieke auf gelernt, nebenbei Studium beendet. Es folgten 13 Jahre ZDF (u.a. Redaktion und Moderation der Hauptnachrichtensendung "heute") in Mainz. Und nun seit 1999 Hauptstadtstudio Berlin.

Medialern.de: Was müssten die Medien in Deutschland besser machen und warum?

Hahne: In Sprache und Themenwahl noch näher an den Konsumenten! Damit meine ich keine verlogene Betroffenheitslyrik, sondern das Wecken echten Interesses auch für schwierige Themen. Moderatoren und Macher müssen sich als Anwälte der Bürger verstehen. Man muss es ihnen abspüren, dass sie eine wichtige Nachricht weitergeben wollen. Dazu bedarf es einiger Grundschritte: gut recherchiert, verständlich formuliert, ansprechend präsentiert, damit es den Zuschauer/Leser wirklich interessiert, und vielleicht sogar fasziniert.

Medialern.de: Wie sehen Sie das Verhältnis Journalist-Politiker? Wie sollten sich Journalisten gegenüber ihnen verhalten?

Hahne: Sich auf jeden Fall nicht gemein machen. Dicht dran, aber mit Distanz. Die Nähe um der Informationen willen suchen, ohne die Distanz um der Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit willen zu verlieren.

Medialern.de: Was würden Sie einem jungen Nachwuchsjournalisten mit auf den Weg geben?

Hahne: Offene (Redaktions-) Türen erkennen, immer am Ball bleiben, nie aufgeben, sich für nichts zu schade sein. Man kommt nicht als Intendant oder Chefredakteur auf die Welt. Und dann: machen, machen, machen. Journalisten gibt es wie Sand am Meer, freie Stellen muss man mit der Lupe suchen, die Welle der Arbeitslosigkeit hat unseren Beruf voll erfasst. Deshalb gilt es, Kontakte zu suchen und zu halten, exzellentes Sachwissen mit fachlicher Professionalität zu verbinden. Auf jeden Fall rate ich, ein Studium abzuschließen, das einem ein "anderes Standbein" ermöglicht.

Peter Hahne im Studio des ZDF. (Quelle: ZDF, Fotograf: Jürgen Detmers)Medialern.de: Welchen Einfluss hat die Medienbranche auf die derzeitige Politik?

Hahne: Jede Gesellschaft hat die Medien, die sie verdient. Sind sie nun Spiegel herrschender Strömungen und Meinungen, oder sind sie deren Macher? Eine beliebte (Glaubens-)Frage, die wohl nie letztgültig zu beantworten ist. Ich glaube, dass die Medien wesentlich weniger Einfluss oder Macht haben, als viele meinen.

Medialern.de: Welche ethische Verantwortung hat der Journalismus?

Hahne: Wer Nachrichten macht, der macht Nachrichten, damit andere sich danach richten. Wer also Nachrichten anrichtet, der sollte immer bedenken, was er damit anrichtet. Wichtiger als Objektivität ist mir die Fairness. Zum ethischen Handwerkszeug gehören Sach- und Fachwissen, Wahrheit und die Liebe zum Konsumenten.

Medialern.de: Welches Motto haben Sie?

Hahne: Sich selber nicht so wichtig nehmen, dafür jedoch den Adressaten meiner Nachricht und diese selbst. Und: Ich muss dem, für den und über den ich berichte, weiter in die Augen sehen können.

Medialern.de: Herr Hahne, vielen Dank für das Interview!

[ Geändert: Sonntag, 4. August 2013, 16:11 ]