Blogeinträge von Stefan Rippler

Weltweit öffentlich

Journalisten auf die Schulbank

Foto: Timm Klotzek (privat)Timm Klotzek war Chefredakteur und Mitgründer von Neon, dem Magazin des „stern“ für junge Erwachsene. Mit 35. Jetzt ist er Chefredakteur des Magazins der Süddeutschen Zeitung.

Mit 28 war er Redaktionsleiter bei "jetzt", dem Jugendmagazin der Süddeutschen Zeitung. 
Timm besuchte die DeutscheJournalistenschule in München (mit 22 Jahren) und studierte Kommunikationswissenschaften, Politik und Soziologie.

Medialern.de sprach mit ihm über die Journalistenausbildung, seine Karriere und über Medienpraktika.

Medialern.de: Was geben Sie den Nachwuchsjournalisten von heute mit auf den Weg?

Timm Klotzek: Generell würde ich nur raten, so früh wie möglich so viel wie möglich zu schreiben.

Medialern.de: Haben Sie schon immer geschrieben?

Klotzek: Eigentlich ja: Auf meiner Schule in Frankfurt habe ich für die Schülerzeitung geschrieben. Den Berufswunsch Journalist hatte ich damals aber noch nicht. Für meinen Artikel in der Abi-Zeitung habe ich als Traumberuf "Fischer" angegeben. Eine Verlegenheitsantwort. Dann bin ich irgendwie in den Journalismus reingerutscht. Habe ein Praktikum bei einer Tageszeitung gemacht und hier und da mal etwas geschrieben, Lokal- und Sportberichterstattung. Mit meiner Aufnahme an der DeutschenJournalistenschule startete ich dann meine "Karriere".

Medialern.de: Wie schafft man es, an einerJournalistenschule genommen zu werden?

Klotzek: Ein Patentrezept, das hundertprozentig zum Erfolg führt, kann ich nicht geben. Bei mir hat es auch erst beim zweiten Versuch geklappt. Aber die Leute dort waren sehr nett: Als es das erste Mal nicht geklappt hat, bin ich ermutigt worden, es noch mal zu versuchen. Wenn man für den Journalismus brennt, gut schreiben kann und hartnäckig ist, kann das nicht schaden. Ansonsten: Es war Glück dabei und Zufall. Wichtig für die Fragen im Auswahlgespräch ist eine gute Allgemeinbildung, vor allem im Bereich Politik und Gesellschaft. Also: Regelmäßig Zeitung lesen.

Medialern.de: Können Sie die Journalistenschule als Berufseinstieg empfehlen?

Klotzek: Die Ausbildung, besonders bei der DeutschenJournalistenschule in München oder der Henri-Nannen-Schule in Hamburg, ist toll. Aber: Auch wer dort nicht genommen wird, kannJournalist werden.

Medialern.de: Wie?

Klotzek: Wichtig ist, egal ob im Studium oder einer anderenAusbildung, systematisches Denken und Recherchieren zu lernen und nicht zum Fachidioten zu werden. Wenn man das drauf hat, dann kann man ein Volontariat absolvieren und seine Karriere im Journalismus beginnen.

Medialern.de: Was sollte man denn studieren, wenn man sich entschlossen hat die Uni oder eine FH zu besuchen?

Klotzek: Man studiert am besten ein Fach, in dessen Bereich man später mal recherchieren und schreiben möchte – für Politik-Redakteure wäre das Politikwissenschaft, für Wirtschaftsjournalisten Betriebswirtschaftslehre. Allerdings kann es auch ganz interessant sein, als Nicht-Politologe später mal Bundestagsreden zu beleuchten – da achtet man vielleicht auf Dinge, die einem Politikwissenschaftler nicht auffallen würden.

Medialern.de: Was halten Sie vom journalistischen Praktikum?

Klotzek: Sehr viel: Hier kannst du dich ausprobieren und kannst überprüfen, ob dich dein Traumberuf wirklich träumen lässt. Außerdem bietet das Praktikum eine gute Möglichkeit, in der Wunschbranche Fuß zu fassen, Netzwerke aufzubauen.

Medialern.de: Wie viele Praktika sollte man absolvieren?

Klotzek: Eine Richtzahl zu nennen ist da sehr schwer. Das kommt immer auf den Einzelfall an. So muss eine hohe Zahl absolvierter Praktika ja nicht zwingend heißen, dass der Bewerber für eine Festanstellung nicht qualifiziert ist. Wenn jemand beispielsweise eine Weltreise macht und in einigen Ländern Praktika macht, ist dagegen nichts einzuwenden. Wenn ich selbst Praktikanten anstelle, achte ich nicht darauf, wie viele Praktika der Bewerber gemacht hat. Ich überlege viel mehr, ob der Bewerber auf Grund des Anschreibens, des Lebenslaufes und der Arbeitsproben zu uns passen könnte.

Medialern.de: Was muss man mitbringen, um bei Neon ein Praktikum zu bekommen?

Klotzek: Es muss um eine gute Geschichte gehen. Wer bei uns ein Praktikum machen will, soll einen kurzen prägnanten Lebenslauf schreiben. Wir wollen wissen, über welche Themen er schreiben möchte und warum ausgerechnet er bei Neon genommen werden soll. Außerdem sollte der Bewerber drei Monate Zeit mitbringen, denn so lange dauern Praktika bei uns. Und während dieser Zeit heißt es nicht Kopieren, Kuschen, Kaffekochen – das ist nicht der Sinn von Praktika. Viel mehr heißt es: Die Arbeit in der Redaktion kennen lernen, die Augen nach Themen offen halten, recherchieren und Artikel schreiben.

Medialern.de: Vielen Dank für das Interview.

[ Geändert: Samstag, 28. September 2013, 22:17 ]