Journalismus studieren

Seit Bestehen der Journalistenausbildung an Universitäten streiten Medienmenschen über den Sinn und Unsinn einer „Wissenschaft über den Journalismus“. Trotzdem blüht die Landschaft der Studiengänge, die „was mit Medien“ zu tun haben – ein kleiner Überblick und die Diskussion und Studienmöglichkeiten.

Als Karl Bücher im Jahre 1916 in Leipzig das erste „Institut für Zeitungskunde“ ins Leben rief, hatte er wahrscheinlich keine Ahnung, welchen Zwist er mit der Gründung des akademischen Zweigs der Journalistenausbildungprovozierte. 

Heute, über neunzig Jahre später, stehen sich in Deutschland zwei große Schulen gegenüber, wenn es um die Rekrutierung journalistischen Nachwuchses geht. 

Auf der einen sind da die Journalistenschulen. Der Schwerpunkt derAusbildung liegt im Praktischen; für die wenigen handverlesenen Schüler geht es ums Schreiben, um die harte Recherche, um die journalistische und persönliche Prägung. Die Lehrgänge dauern nie länger als zwei Jahre – und Absolventen sind allesamt vollwertige Redakteure, brauchen also keinVolontariat mehr. 

Wofür ist dann noch die Uni da? Was soll sie angehenden Journalistenbeibringen, was Schulen nicht sowieso schon bieten? Ganz einfach: Der Beruf des Journalisten braucht mehr Bewusstsein für die Kommunikation in einer komplexer werdenden Gesellschaft – so die Meinung derjenigen, die an einer Universität Medien- und Kommunikationswissenschaft oder Journalistik lehren.

Es gehe eben nicht nur ums Schreiben und Nachrichten produzieren. Sondern auch darum, abschätzen zu können, welche Effekte ein Nachricht hat. Oder besser: Es geht um das Wissen, wie Journalismus funktioniert – um dann noch besseren machen zu können. Deshalb lehrt man an den Unis auf den ersten Blick trockene Dinge wie Pressegeschichte, Nachrichtenwerttheorie oder die Gatekeeperfunktion des Journalisten. 

Dabei sollten Einsteiger, die vor der Wahl zum richtigen Studiengang stehen, genaues Augenmerk auf die Inhalte ihres Studienprogramms legen. Denn auch wenn KMW, KW, MeWi und Journ. zwar im ersten Moment ähnliches versprechen, so kann schon die Wahl zwischen Haupt- und Nebenfach einen Unterschied wie Tag und Nacht ausmachen. 

Generell gilt: Kommunikations- und Medienwissenschaften sind prinzipiell breiter angelegt als die Journalistik, beinhalten jedoch in sich wieder eigene Schwerpunkte. Die können eher in Richtung Empirie, also Statistik und Analyse, oder ins Historische gehen. 

Auch beliebt sind Medienerziehung, Buch- oder Filmwissenschaften. Einige Institute, wie das an der Universität Leipzig, bieten zudem einen eigenen Studiengang und Fachbereich in Sachen PR an.

In diesen klassischen Kommunikations-Studiengängen, die an jeder größeren Universität angeboten werden, ist die Arbeit jedoch stärker aufs Wissenschaftliche fixiert, also auf Analyse, Literaturrecherche und die üblichen Hausarbeiten. Praxisseminare sind tendenziell eher die Ausnahme. 

Die Journalistik geht im Vergleich dazu üblicherweise einen anderen Weg. Zuerst einmal liegt der Schwerpunkt auf der Analyse der Arbeit einesJournalisten. Hausarbeiten gibt es auch hier, jedoch geht es dann in den Seminaren um ein ganz praktisches Thema: Recherche, Nachricht und Bericht, Interview, Layout eines Magazins. Oft wird zu Beginn das Thema analysiert und reflektiert, um anschließend das neu Erlernte in die Praxis umzusetzen. 

Die zwei bekanntesten Studiengänge in Deutschland sind der des Diplom-Journalisten in Dortmund und der neue Master Journalistik in Leipzig, der aus einem Diplomstudiengang hervorgegangen ist. Diese beiden Gänge zeichnen sich durch hohen Praxisbezug aus – im Diplom durch ein integriertesVolontariat, im Master durch ein Volontariat als Zugangsvoraussetzung. 

Auch die Katholische Universität in Eichstätt ist bekannt für gute Dozenten und Inhalte. Andere Journalistik-Angebote stehen den genannten oft in einem Punkt nach: dem Bezug zur Praxis. Denn wenn es ums Schreiben geht, dann hilft reines Wissen über die Medienlandschaft auch nicht weiter. Im Grunde ist Journalismus eben immer noch eines – pures Handwerk.

Zuletzt geändert: Donnerstag, 23. Januar 2020, 14:48