Meilenstein Praktikum

Vom Volontariat über ein fachfremdes Studium in Kombination mit einem Quereinstieg bis hin zur Journalistenschule gibt es viele Wege in die Medien. Für eine langfristige Perspektive in der Medienbranche ist eines aber ein nahezu unverzichtbarer Meilenstein: Das Praktikum.

Klar - das Praktikum ist kein Garantieschein für einen gelungenen Berufseinstieg. Aber du lernst Menschen und Arbeitsweisen kennen und kannst überprüfen, ob dich der Job wirklich träumen lässt. Ein Praktikum trägt außerdem zur Berufsfindung bei und hilft dir, ein eigenes Profil zu entwickeln im Hinblick auf persönliche und fachliche Stärken, Interessen und Schwächen. 

Es lohnt sich also, anhand von Medienpraktika die wirkliche Arbeitswelt kennen zu lernen und zwar nicht nur für dich: Unternehmen lernen junge Talente kennen und bekommen vielleicht neue Impulse von außen. 

Bei der Praktikumswahl sollte man darauf achten, die verschiedenen Mediengattungen abzudecken. Das Schreiben im Print-Bereich ist dabei der beste Einstieg. „Bei überregionalen Tageszeitungen wie der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, der Süddeutschen Zeitung oder auch beim Spiegel sind Praktika für Branchenneulinge sicherlich am schwersten zu bekommen. Die Lokalzeitung bietet sich für Anfänger eher an, weil es da schneller geht, Arbeitsproben zu sammeln: Sie erscheint jeden Tag, und es gibt in der Regel viele Termine zu besetzen, für die ein Reporter, ein Stift und ein Schreibblock ausreichen“, sagt Ulrike Maercks-Franzen, Bundesgeschäftsführerin der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union gegenüber dem Praktikumsknigge, einem Leitfaden zum Berufseinstieg.

Genauso wie die verschiedenen Mediengattungen mit Praktika abgedeckt werden sollten, ist es ratsam, auch in verschiedene Ressorts zu blicken. 

Vor allem sollte ein roter Faden in den Praktika zu erkennen sein. Die verschiedenen Praktika sollten auf einander aufbauen. Sprich: Nicht querbeet durch die Medienbranche Praktika absolvieren. 

Zunächst in der Printsparte anzufangen, beispielsweise bei einer Lokalredaktion und dann überzugehen, zu einer Magazinredaktion oder zu einem Lokalsender, um im Laufe dessen seine Lieblingsressorts und Mediengattungen kennen zu lernen, macht beispielsweise Sinn. In der Lokalredaktion einer Zeitung lernt man schließlich von der Pieke auf das Schreiben. Und Schreiben ist die Grundlage für jeden Medienberuf: Denn im Fernseh- oder Radiobereich wird das Wort lediglich um (Bewegt-) Bild und Ton ergänzt.

Anfangen kann man mit dem Sammeln von Praxiserfahrung nicht früh genug: Schülerzeitung und nach dem Schulabschluss ein längeres Praktikum ist (z.B. bei einer Lokalredaktion) ist sehr zu empfehlen. Der Berufseinstieg beginnt nämlich nicht erst nach einem Studium, sondern viel früher. 

Bei der Praktikumssuche ist auf jeden Fall darauf zu achten, dass ein Betreuer da ist. Dann sollte es auch eine zumindest leistungsgerechte Entlohnung geben. Werden Praktikanten für mehr als drei Monate gesucht, oder sind Redaktionen zu überwiegenden Teilen durch Praktikanten besetzt, weist dies darauf hin, dass Vollzeitstellen ersetzt und Praktikanten als billige Arbeitskräfte missbraucht werden.

Was Routinearbeiten, wie Kaffeekochen oder Kopieren angeht: Sie gehören dazu, sollten aber nicht zur Dauerbeschäftigung werden. Bei wem das trotzdem der Fall sein sollte, bietet sich ein Gespräch mit dem Betreuer oder Vorgesetzten an. Ist dies fruchtlos, gilt es notfalls das Praktikum abzubrechen.

Bei all den Vorzügen von Praktika: Zu viele davon können auch ein negatives Licht auf den Mediennachwuchs werfen – genauso, wenn Praktika erst nach Studienabschluss absolviert wird. In beiden Fällen kann der Anschein erweckt werden, der Praktikant sei nicht gut genug für eine feste Stelle. Um nicht in die Praktikumsmühle zu geraten, sollte man sich nach Studienende also eher um eine befristete Stelle oder um freie Mitarbeit bemühen. 

Trotzdem: Praktika sind Türöffner, gerade bei richtigem und wohl bedachtem Einsatz und so früh wie möglich absolviert.

Zuletzt geändert: Donnerstag, 23. Januar 2020, 14:48