Einführung: Recherche

Den Journalisten von heute obliegt die schöne und schwierige Aufgabe, unsere komplexe, globale Welt anschaulich zu erklären, die Grundfesten unserer Demokratie zu wahren und Skandale aufzudecken. Wahrheit finden, Informationen beschaffen und das Recht der freien Meinungsäußerung sind kein leichtes Brot, wenn alles verantwortungsvoll ausgeführt wird. Grundlage ist die Recherche. Was ist aber eine richtige Recherche? Vereinfacht gesagt: richtige Fragen. Basis für jede Recherche ist ein Ausgangspunkt, wie beispielsweise die Informationen über ein Ereignis, den aktuellen Themenaspekt für eine Reportage sowie Aussagen eines Insiders, die aufzudecken wären. Die richtigen Fragen sind abhängig vom Rechercheziel. Es ist ein Unterschied, ob man vergangene Geschehnisse rekonstruiert, für Reportagen Zeitgeschehen beschreibt und bewertet oder Insiderinformationen ans Licht der Öffentlichkeit bringt.

Auch Rechercheverfahren und -methoden unterscheiden sich: Wenn ich ein Ereignis rekonstruiere, ermittle ich Akteure und überprüfe verschiedene Aussagen, erweitere unter Umständen den Betrachtungsradius.

Für eine Milieureportage beschafft man sich allgemeine Strukturdaten (aus Studien, Datensätzen usw.) und kombiniert diese mit individuellen Lebensgeschichten oder Aussagen, dabei kann man die Daten bestätigen, verständlich machen oder auch auf Normabweichungen hinweisen. Dies kann man mit Thesen- und Erlebnisrecherche erreichen, zuweilen auch Under-Cover.

Das brisanteste ist jedoch die Aufdeckung. Investigative Recherche heißt, Insiderinformationen zu überprüfen. Hier muss der geheime Vorgang mit Hilfe von Zeugenaussagen, Indizien oder Spuren rekonstruiert werden. Bei allen Recherchierformen gilt der Grundsatz, mindestens zwei Quellen für eine Information zu haben. Doch selbst das genügt nicht immer für die Wahrheit: So stellte sich ein vermeintlich rassistischer Mord in Sebnitz (in den Medien November 2000) trotz staatsanwaltlicher Ermittlungen und eidesstattlicher Zeugenaussagen als Badeunfall heraus.

Etwa 80-90 Prozent verbringt der Profijournalist mit Recherchearbeiten. Bei der Recherche wird versucht, möglichst viele Informationen zu einem bestimmten Thema zu sammeln, diese abzusichern und aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten, um ein möglichst neutrales Bild zu bekommen. Wenn die Recherche vernachlässigt wird, ist die Qualität des gesamten Artikels gefährdet! Für die Recherche werden verschiedene Quellen genutzt, wie z.B. Archive, Internetseiten, Pressemitteilungen, Interviews, Gespräche, Experten, Betroffene, Ämter und Literatur. Das eigentliche Texten des Artikels nimmt also nur einen kleinen Teil der Arbeit ein, was am Anfang zugegebenermaßen nicht leicht ist...

Schön und gut - aber WIE recherchiere ich konkret? Das erklären wir im nächsten Themenbereich.

Zuletzt geändert: Sonntag, 15. September 2013, 21:02