Informationen beschaffen: Ein Überblick

Du hast verschiedene Möglichkeiten, an Informationen zu kommen:

  • Die wohl wichtigste Quelle für Rechercheinhalte ist das Recherche-Interview. Wer sich geschickt anstellt, entlockt dem Interviewpartner Informationen, die er normalerweise nicht preisgeben würde. Damit das klappt, ist allerdings einiges an Vorarbeit nötig. Zu dieser gehört, sich zu überlegen, welche Art von Informationen man eigentlich erwartet. Sind es unverfängliche Fakten, die in Erfahrung gebracht werden sollen? Soll der Interviewte seine Einschätzung zu einem Sachverhalt abgeben? Oder soll es doch ans Eingemachte gehen, will man den Interviewpartner um Interna erleichtern? Je nach Erwartungslage bieten sich unterschiedliche Formen des Interviews an.

    Grundsätzlich wird zwischen zwei Möglichkeiten unterschieden. Zum einen gibt das persönliche Gespräch. Es kommt unter anderem da ins Spiel, wo der persönliche Kontakt eine Vertrauensbasis schaffen soll. Wer also wissen möchte, welcher Stadtrat eine unbeliebte Verordnungsvorlage zu verantworten hat, der trifft sich lieber mit seinem Interviewpartner.
    Zum anderen können Rechercheinterviews auch per Telefon geführt werden.
    Telefoninterviews nehmen weniger Zeit in Anspruch und sind unpersönlicher. Telefoninterviews bieten sich vor allem an, wenn es um reine Fakten geht. Um zu wissen, wie viel Geld die Stadtverwaltung im letzten Jahr für Jugendzentren ausgegeben hat, muss man nicht erst in die entsprechende Verwaltungseinrichtung fahren und sich mit einem Experten treffen – ein einfacher Anruf genügt. Im Idealfall sind die Interviewfragen schon vor Beginn des Gesprächs ausformuliert. Außerdem muss der Interviewpartner im Vorhinein informiert werden, dass es sich bei dem Gespräch um ein Rechercheinterview handelt und nicht etwa um ein „klassisches“ Interview. Beim persönlichen Gespräch ist es wichtig, einen guten „ersten Eindruck“ zu hinterlassen. Ist man dem Interviewpartner sympathisch, findet das Gespräch gleich auf einer ganz anderen Basis statt. Empfehlenswert ist, sich an gängige Höflichkeitskonventionen zu halten, sich also auch dem Anlass entsprechend zu kleiden. Zur Etikette gehört auch, bei Tonbandaufzeichnungen nachzufragen, ob der Interviewpartner damit einverstanden ist – nicht einfach auf den Tisch legen und einschalten! Augenkontakt halten hilft genauso wie ein aufrichtiges und interessiertes Auftreten. Aber: Der Journalist bleibt im Hintergrund, die erste Geige spielt der Interviewte. Bei aller Höflichkeit darf sich der Interviewer aber auch nicht scheuen, den Interviewpartner zu unterbrechen. Es macht in der Nachbereitung wenig Spaß, ellenlange Monologe zu kürzen. Nach dem Interview sollte unbedingt vereinbart werden, ob der Interviewpartner wert auf eine Autorisierung der Gesprächsinhalte legt. Das ist vor allem wichtig, wenn im späteren Artikel einzelne Passagen oder Aussagen des Partners zitiert werden sollen. Ist auch das erledigt, bedankt sich der Journalist für das Gespräch, verabschiedet sich und hinterlässt seine Kontaktdaten. Falls dem Gesprächspartner im Nachhinein noch Dinge einfallen, die er während des Interviews nicht erwähnt hat, kann er von sich aus nochmal auf den Journalisten zugehen. Bei jedem Gespräch gibt es Problemquellen, die man vermeiden kann. Um Gefahrenzonen zu umschiffen und an informative Leckerbissen zu kommen, reicht es, die folgenden Punkte zu beherzigen: Wer seine Fragen schon vor dem Gespräch oder Telefonat geordnet hat, ist auf der sicheren Seite. Grundsätzlich gilt: Fragen werden nach Brisanz und Relevanz aufsteigend geordnet. Das Rechercheinterview lässt sich – im weitesten Sinne – mit einem Date vergleichen: Erst kommt das Kennenlernen, später geht’s ins Detail. Konkret bedeutet das, den Interviewpartner nicht gleich zu Beginn nach seiner Beteiligung an einem umstrittenen Projekt zu fragen, sondern sich das für den Schluss aufzuheben. Außerdem haben so beide Interviewparteien anfangs Zeit, eine Kommunikationsbasis aufzubauen. Bei der Art der Fragestellung gilt die Faustregel: An den Anfang gehören offene Fragen, geschlossene können später folgen. Unter offenen Fragen versteht man Fragen, die mehrere Antwortmöglichkeiten zulassen – zum Beispiel „Wie schätzen Sie die aktuelle Situation ein?“. Geschlossene Fragen schränken die Antwortmöglichkeiten ein und lassen meist nur ein „Ja“ oder „Nein“ zu, beispielsweise „Haben Sie auch für den Entwurf gestimmt?“. Aufpassen sollte man bei Suggestivfragen: Suggestivfragen sind Fragen, die dem Interviewpartner etwas „vormachen“ wollen. Formulierungen wie „sind Sie nicht auch der Meinung, dass…“ fallen unter den Begriff „Suggestivfragen“ und sollten an den Schluss gestellt werden; bestenfalls verzichtet man ganz auf sie. In manchen Fällen kann es hilfreich sein, dem Interviewpartner anzubieten, die Information ohne Namensnennung zu verwenden. Denn oftmals wollen Interviewpartner Informationen weitergeben, haben aber Bedenken ob ihre eigene berufliche Karriere darunter leidet – zumindest diese Angst kann der Journalist in kritischen Fällen zerstreuen. Auch bei Rechercheinterviews ist eine Nachberei­tung erforderlich. Zur Nachbereitung gehört es, das Gespräch zu transkribieren und die Kontakt­daten des Interviewpartners weiterhin parat zu halten. Falls im Laufe der Recherche noch Fragen auftauchen sollten, fällt es leichter, den Kontakt wiederherzustellen. Auch wichtig: Jeder Interviewpartner freut sich über ein Belegexemplar des Artikels.
  • Informationen aus Büchern, Zeitschriften, Literatur. Nachteil: Zeitintensiv, da Recherche oftmals in Bibliotheken (mit oder ohne Online-Katalog).
  • Das Internet ist mittlerweile die beliebteste Recherchequelle. Es bietet eine riesige Fülle an Informationen, an die man in kürzester Zeit gelangen kann - ein paar Klicks und man bekommt Auskünfte zum gesuchten Thema. Das Problem: Jeder kann im Internet alles veröffentlichen, die Qualität der Seiten ist oft schwer einzuschätzen. Gerade bei privaten Homepages ist oft nicht nachvollziehbar, woher die Informationen stammen. Jedoch bietet das Internet auch eine Vielzahl an Möglichkeiten. So kann man beispielsweise Originalartikel von Zeitungen und Zeitschriften durchsuchen, in Online-Bibliotheksdiensten und Archiven recherchieren oder nach Adressen von Informationsquellen wie Institutionen oder Ämtern forschen. Auch Social Communities bieten die unterschiedlichsten Impulse, um sich über ein Thema zu informieren.

Achtung – Augen auf bei der Informationsbeschaffung: Es gilt das Motto „Qualität statt Quantität“. Also immer prüfen: Was geben die Informationen her? Oft reicht eine vermeintliche Stoff-Fülle nicht für einen Artikel aus. Lieber zu viel wissen. Streichen und kürzen kannst du später immer noch.

Außerdem beachten: Eigene Meinung raus! Deine Kritikfähigkeit muss aber bleiben. Eine Umfrage ist keine Recherche!

Übrigens: Eine Umfrage kann schöne Zitate für den Artikel liefern, sie ist aber nur dann repräsentativ und relevant für die Recherche, wenn sie von einem seriösen Institut durchgeführt wird (und das bist du nicht).

Was du für eine Recherche brauchst:

  • Notebook/Rechner/Tablet
  • Smartphone
  • Ggf. zwei Kugelschreiber (wichtig falls einer versagt!), Block, Diktiergerät
  • Kontakte/Informanten
  • Die richtigen Anlaufstellen im Internet – neben Google zum Beispiel:
  • und natürlich Geduld und Hartnäckigkeit... Das Wichtigste: lass dich nicht entmutigen, auch wenn es manchmal so aussieht,  als ob Du überhaupt nicht weiterkämst! Versuch es weiter, sei hartnäckig, gehe den Auskunftsgebern auf die Nerven - so lange, bis sie Dir ein Interview geben! Kopf hoch und nie den Mut verlieren! Ein gutes Beispiel:  
     
Zuletzt geändert: Donnerstag, 23. Januar 2020, 14:53