Überblick: Einstieg in die Medienbranche

Wie man in die Medienbranche kommt? Welche Eigenschaften, Kenntnisse und Fähigkeiten ein guter Medienmacher haben muss? Welche Ausbildungswege besonders empfehlenswert sind? Das können nur diejenigen wissen, die schon lange in der Branche sind und sie so gut kennen wie Vielseher das Fernsehprogramm. Die "alten" Medien-Hasen kennen Schleichwege, Abkürzungen aber auch Umwege in die Welt der schreibenden und sendenden Zunft. Sie kennen Fallstricke und Fettnäpfchen; sie wissen, wie der Nachwuchs am besten Fuß fassen kann.

Eigenschaften - in die Wiege gelegt

Neugierde, Kreativität und Leidenschaft soll jeder Jungjournalist mitbringen – da sind sich die Medienmacher von heute einig. „Im Grunde sind dieselben Tipps noch gültig, die man damals uns mit auf den Weg gegeben hat“ sagt RTL-Chefredakteur Peter Kloeppel.

Neugierig sein, Sachen kritisch hinterfragen, zuhören können und aufmerksam sein ist für jeden Medienmenschen wichtig: „Die meisten Geschichten werden einem doch bei einem Abendessen von Freunden erzählt. Man muss es nur merken“ erzählt „Maxi“-Chefredakteur Stephan Schäfer. Das alte, allseits bekannte Sprichwort stimmt nun mal: Die Themen liegen auf der Straße „und nicht auf dem Schreibtisch oder am Kalten Büffet des Presseclubs“ ergänzt Manuel J. Hartung, stellvertretender Chefredakteur von „Zeit Campus“.

Hat man dann Themen auf der Straße gefunden, geht es an die kreative Umsetzung: „Die meisten wurden schon 150 Mal gebracht. Da muss man schon mal in der Lage sein, einen neuen, spannenden Dreh zu finden“ erklärt der „Maxi“-Chef Schäfer. Kreative Ideen reichen dazu meist nicht.

Um nicht langsam auszubrennen, muss das Feuer für den Journalismus in einem lodern:

„Journalist ist kein Job, den man einfach mal so ergreift. Das kann man eine Weile machen, wird aber bestimmt nicht weit kommen. Man muss seine Arbeit lieben“ so Schäfer weiter.
„Eine Einstellung wie „Wenn das nicht klappt, gehe ich eben in die PR-Branche“ ist fehl am Platz. Ein gewisses Maß an Ernsthaftigkeit sollte mit dabei sein“ ergänzt Jürgen Stellpflug, Chefredakteur der Zeitschrift „Ökotest“.

Ernst und engagiert sollte er sein, kreativ, leidenschaftlich, neugierig und aufmerksam – der Journalist von Morgen. Zwei entscheidende Eigenschaften fehlen noch: 

„Man sollte nicht verschüchtert in der Ecke sitzen, sondern rausgehen, sich auch mal in den Vordergrund spielen, aber dann auch wissen, wann man die Klappe halten sollte. Nie der Meinung sein, immer schon alles zu können, sondern willens sein, dazuzulernen“ meint Kloeppel. Professor Siegfried Weischenberg geht weiter: “Der Journalismus verlangt besonderen Einsatz, Hartnäckigkeit und Durchsetzungsvermögen.“

Kenntnisse und Fähigkeiten – mit dem goldenen Löffel

Alle diese Eigenschaften bringen einen weiter beim Berufseinstieg in die Medien. Ohne bestimmte Kenntnisse und Fähigkeiten aber nicht weit genug, um wirklich Fuß zu fassen. „Das journalistische Handwerkszeug muss sitzen“ meint nicht nur Thomas Rebbe, Head of Editorial Content bei 1&1 Media (u.a. „gmx.de“) – davon sind alle Experten überzeugt.
Eine gute Schreibe und die Beherrschung der journalistischen Darstellungsformen sind also Pflicht. Daraus zu folgern, dass der Beruf des Journalisten ein Begabungsberuf ist, wäre verkehrt. Das journalistische Handwerkszeug kann man erlernen: „Maxi“-Chef Schäfer verrät eine Herangehensweise: „Wenn man jeden Tag Reportagen, Kolumnen oder gute Bücher von tollen Autoren liest, kann man staunen und sich viel abgucken: Wie schreibt so ein guter Reporter? Wie steigt er in Texte ein? Oft kann man Schemata erkennen und versteht nach dem zehnten guten Einstieg: Ach, so machen die das.“ 

Zum journalistischen Handwerkszeug gehören nicht nur eine gute Schreibe und die journalistischen Darstellungsformen, wie zum Beispiel Reportage, Interview und Kommentar. 

Auch eine saubere Recherche gehört dazu – und wirklich sauber zu recherchieren, ist gar nicht einfach. Oftmals ein Knochenjob, der aber Spaß machen kann. Telefonieren, vor Ort nach Informationen suchen, sich einen „Live-Eindruck“ verschaffen, Archive durchstöbern und Klingeln putzen ist nicht nur anstrengend, sondern meistens auch interessant: Man lernt neue Menschen kennen, neue Anlaufstellen, um an Informationen zu kommen, knüpft Kontakte. Aber nicht nur das gehört zu einer Recherche. 

Gabriele Fischer, Chefredakteurin von „brandeins“ veranschaulicht, was eine gute Recherche noch ausmacht: „Ein junger Autor hat eine Geschichte über die erste Generation der Grünen im Bundestag gemacht. Dafür war er unter anderem auch an Petra Kellys Grab, obwohl sie überhaupt nicht im Text vorkam: Er wollte sich in die Geschichte wirklich hineinversetzen können. Das sind für mich echte Tugenden, die leider verloren gehen, weil viele Leute der Recherche nicht mehr die Bedeutung beimessen, die sie nun einmal hat. Selbst ein nicht ganz so eleganter Schreiber kann immer noch eine gute Geschichte liefern, wenn er gut recherchiert hat. Aber heute denken viele, es reiche, ein guter Schreiber zu sein. Fakten könne man sich irgendwo zusammen suchen, schließlich gibt es das Internet. Aber das reicht einfach nicht.“

Multimediales, strukturiertes und analytisches Denken, technisches Verständnis, Leserorientierung, über die eigene Arbeit reflektieren zu können, sich den Folgen seines Tuns im Klaren zu sein, sind weitere Fähigkeiten, die einen guten Journalisten ausmachen.

Klassische Tugenden, wie Disziplin, Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit gehören auch dazu: „Journalismus hat den Nachteil, dass er irgendwann mal mit Genialität verwechselt wurde und viele Kollegen glaubten, dass der geniale Künstler natürlich nie pünktlich abgibt. Das ist Quatsch. Es gibt Abgabezeiten und Termine, die sind ernst gemeint und werden immer ernster gemeint werden“ erklärt Fischer weiter.

Die perfekte Ausbildung

Welche Eigenschaften, Fähigkeiten und Kenntnisse der Journalist von Morgen mitbringen sollte, ist klar geworden – wie man sie sich aneignen kann noch nicht. Dass es keinen Königsweg in den Journalismus gibt, sagen uns alle Ausbildungsratgeber. Dass das journalistische Volontariat der meistbeschrittene und meistbegehrte Weg in die Medien ist, sagt uns die Studie von Professor Weischenberg: „In knapp zwei Dritteln aller Fälle ist das Volontariat [Bestandteil des Ausbildungsweges].“

Dass ein Journalistik-, Kommunikationswissenschafts- oder Publizistik-Studium nicht das Gelbe vom Ei ist, Absolventen dieser Studiengänge eher trotz ihrer Ausbildung eingestellt würden und man Journalismus nicht an der Uni lernen könne, sagen uns viele Praktiker. Ebenso, dass es ohne einen Hochschulabschluss samt Praktika heutzutage gar nicht mehr gehe. Und: Ein Quereinstieg sei ja schon lange nicht mehr möglich, sieht sich doch Jürgen Stellpflug von „Ökotest“ als „einer der letzten Quereinsteiger“.

Schaut man sich einige junge Berufseinsteiger an, kann man zu anderen Schlüssen kommen: Lara Fritzsche hat nach ihrem Abitur ein Volontariat beim Kölner Stadtanzeiger absolviert – ohne Hochschulabschluss. Den holt sie jetzt nach. Manuel J. Hartung ist ohne Studium bei der renommierten Henri-Nannen-Schule angenommen worden. Auch er studierte danach.

Ja, was denn nun? Studieren oder nicht? Wenn ja, was studieren? Volontariatvor dem Studium oder danach oder ganz ohne Uni versuchen, an eines zu kommen? Oder doch die Journalistenschule?

Darauf wissen auch die Experten keine klare Antwort. Die meisten von uns interviewten Praktiker sind sich aber einig, dass es ganz ohne Studium nicht mehr geht und, dass möglichst ein breit angelegtes Fachstudium gewählt werden sollte. Jan Bayer vom Axel-Springer-Verlag erklärt: „Studiert man zu speziell, verbaut man sich die Chance, in der Ausbildung auf Sachen zu stoßen, die einem auch Spaß machen.“

Berufseinstieg – Fuß fassen

Und wie komme ich jetzt an einen Job? Damit man mit der Frage nicht am Ende seiner Ausbildung zwischen Arbeitsamt und Praktikumsmühle steht, muss man wissen, dass der Berufseinstieg schon früh beginnt: Während und nach dem Schulabschluss, nicht erst nach dem Studium. 

Das Motto könnte lauten: „Machen, machen, machen.“ Wo man anfangen soll? Da sind sich unsere Experten ziemlich einig: am besten bei der Lokalzeitung. „Da lernt man von der Pike auf das journalistische Handwerk“ erklärt Hartung. 

Stefanie Richter, Redakteurin bei der Zeitschrift „Gala“ rät: „Schreibt etwas, versucht, etwas zu veröffentlichen. Wenn ihr keine Texte veröffentlichen könnt, reicht zumindest eine Idee, ein Konzept, ein Exposé für einen Artikel ein. Ich finde es gut, wenn sich Nachwuchsjournalisten ein Thema überlegen, das sie wirklich interessiert, und darüber dann etwas schreiben. Das kann man Lokalblättern anbieten, die freuen sich meistens über engagierte Leute.“

„Wichtig ist auch, sich früh klar zu werden: In welcher Mediengattung möchte ich später tätig werden? Will ich eher Reporter oder Blattmacher werden? Und wenn man sich dann mal entschieden hat, sollte man sich immer mal wieder kritisch fragen: Ist das auch das, was ich wirklich will?“ gibt Hartung zu bedenken.

Hat man herausgefunden, wohin es gehen soll, empfiehlt Jochen Wegner,Chefredakteur von „ZEIT Online“: „Mach, was du wirklich, wirklich willst! Du musst wissen, was du willst und es tun, ohne allzu viele Kompromisse. Menschen, die eigentlich ein anderes Ziel hatten und ihr Leben lang dem Berufswunsch nachhängen, haben eine gewisse Tragik.“

Zuletzt geändert: Donnerstag, 23. Januar 2020, 10:05